Diese Geschichte ist an unterschiedlichen Orten entstanden, vor allem in Island. Zwischen Wind und Weite. Zwischen Gesprächen, die beiläufig begannen und lange nachwirkten. Und schließlich zu Hause am Schreibtisch geschrieben.
Ich schreibe, weil manche Erfahrungen mehr brauchen als Fakten und Analysen. Weil Landschaften mir Fragen gestellt haben. Und weil Verantwortung für mich dort beginnt, wo mich etwas wirklich berührt.
Dieser Blog erzählt vom Weg zu meinem Roman. Von Orten, die ich kenne und die tragen. Von Figuren, die plötzlich da waren. Von Zweifeln, Umwegen und von jenen Momenten, in denen eine Geschichte urplötzlich beginnt, sich selbst zu zeigen.
Inhaltsverzeichnist über die Blogeinträge
- Roman Vorschau: Gletschereis - Eine Kurzbeschreibung
- 1 Warum mein Roman unterwegs entstanden ist
- 2 Eine herausragende Begegnung
- 3 Island wirkt einfach anders
- Roman Vorschau: Weltklimakonferenz - warum im Roman?
- 4 Lernen jenseits von Seminarräumen
- 5 Schreiben sucht Verbindung
- 6 Orte, die tragen
- 7 Mit einem Mal stand Henrik in der Tür
- Roman Vorschau: Henriks Kunst
- 8 Warum ich meine Ideen teile
- 9 Warum ich meine Ideen teile
- Roman Vorschau: Ankunft in Reykjavík
- 10 Der Moment, in dem alles noch einmal kippte
- 11 So wurde Gletschereis ein Gegenwartsroman
- 12 Wenn andere Augen mitlesen
- 13 Der Schritt nach draußen
- 14 Es dauerte, bis ich wirklich verstand
- 15 Drei Textpassagen, die ich neu gebaut habe
- Roman Vorschau: Wie alles anfing
- 16 Was ich übernommen habe und was bewusst geblieben ist
- 17 Überarbeiten ist kein Rückwärtsgang
- 18 Warum Henrik genauer hinsieht, wenn andere nur weitermachen wie bisher
- 19 Die Kunst der Nebenfigur
- 20 Orte, die mitreden
- 21 Landschaft fordert heraus
GLETSCHEREIS
Eine Kurzbeschreibung
Henrik Johannson, ein junger Künstler, sucht im Lärm der Klimakonferenz seine eigene Stimme und erkennt, dass Kunst nicht nur spiegeln, sondern verändern kann. Zwischen Politik, Naturgewalten und alten Mythen entscheidet er, ob Hoffnung mehr ist als ein Bild. Auf seiner Reise wird er gezwungen, von der Rolle des Beobachters in die des Handelnden zu wachsen und Verantwortung für Veränderung zu übernehmen.
Blog Artikel 1
Thomas Hüttmann
Warum mein Roman unterwegs entstanden ist
Meine Ideen entstehen selten am Schreibtisch. Sie entstehen draußen, wenn ich mit meinem Hund spazieren bin oder ich bewusst in freie und unberührte Landschaften reise. Dann nehme ich mir Zeit zum Überlegen und manchmal fließt auch so ganz von allein.
Bücher beginnen mit einem Satz, meist wohl überlegt. Andere mit einem klaren Plot. Gletschereis begann unterwegs. Auf Wegen durch Island. Zwischen Wind, Eis und Gesprächen, deren wahre Bedeutung sich mir erst viel später zeigte.
Hätte mir vor einigen Jahren jemand erzählt, dass ich einen Roman schreiben würde, der ausgerechnet in Island spielt, hätte ich vermutlich gelächelt und einfach weitergemacht. Weitergereist. Weitergearbeitet. Weitergeschrieben an anderen Texten.
Island war für mich lange ein Ort zum Fotografieren, zum Unterwegssein, zum Begreifen und zum Staunen. Erst rückblickend erkenne ich mehr. Genau dort sammelte sich etwas.
Oft war ich im Winter dort. Weite Blicke über unberührte Landschaften. Kilometerlange Eisflächen. Gefrorene Wasserfälle. Eingefrorene Landschaften. Und dieses Licht. Ein außergewöhnliches Licht, das alles, was ist, immer wieder neu zeigt. In Island, so heißt es, zeigen sich manchmal vier Jahreszeiten an einem Tag. Die dazugehörigen Stimmungen wirken jedes Mal anders. Und jedes Mal eindrucksvoll.
Immer wieder kam es zu Begegnungen. Gespräche mit Menschen, die mir ihre Sicht auf das Leben, auf Natur, auf Verantwortung erzählten. Viele dieser Gespräche wirkten zunächst beiläufig. Heute weiß ich, wie tief sie sich eingeprägt haben.
Dieses Buch wollte wachsen. In seinem eigenen Tempo. Schritt für Schritt. Über Jahre hinweg. Ohne festen Plan. Ohne klare Zielmarke. Eher wie ein Weg, den man geht, weil er sich richtig anfühlt. Und irgendwann stellte sich mir eine Frage ganz von selbst.
Weitere Eindrücke zu meiner Geschichte, erfährst du im nächsten Eintrag.
Blog Artikel 2
Thomas Hüttmann
Eine herausragende Begegnung
Es gab viele solcher Momente. Einer davon war besonders. Ich war als Bildungsreferent mit einer Gruppe junger Menschen in Island unterwegs. Thema der Reise. Klima und Natur. Wir nahmen an einer geführten Gletschertour teil.
Unser Guide erklärte die Landschaft mit einer Klarheit, die unter die Haut ging. Er zeigte, was dies Fleckchen Erde so einzigartig macht. Und er machte sichtbar, was bereits verloren war. Linien im Eis, wo einst noch Gletscher waren. Rückzugsmarken. Zeitspuren. Er sprach über Zukunft. Über Veränderungen, die längst eingesetzt haben. Über Entwicklungen, die sich weiter beschleunigen werden. Es fühlte sich an, als richte er seine Worte immer wieder direkt an mich. Seine Erzählungen über den Verlust des Gletschereises berührten mich tief.
Dort auf dem Gletscher fanden Kopf und Gefühl zusammen. Zum ersten Mal stellte sich eine Frage mit voller Wucht. Was kann ich beitragen. Was bedeutet Verantwortung jenseits von Wissen und Analyse. Als Referent von Bildungsreisen für junge Menschen beschäftigte ich mich seit Jahren mit diesen Themen. Und doch blieb ein inneres Unruhegefühl. Reicht das, was ich tue? Erreiche ich damit wirklich jemanden. Oder braucht es mehr?
Aus dieser Frage entstand die konkrete Idee für meinen Roman. Ich entschied mich bewusst, die Geschichte im Rahmen einer Weltklimakonferenz anzusiedeln. In einer nahen Zukunft. Im Jahr 2032. In Reykjavík. Dieser Ort steht symbolisch für Hoffnung, für politische Aushandlung, für konkrete Klimaprojekte, für globale Verantwortung. Und zugleich für Grenzen. Für Kompromisse, die oft zu klein bleiben. Für Entscheidungen, die Zeit verlangen.
Mit Gletschereis wollte ich ein Zeichen setzen. Erzählerisch. Persönlich. Und getragen von der Überzeugung, dass Geschichten Menschen dort erreichen, wo Zahlen und Berichte oft an ihre Grenzen stoßen.
Was genau das bedeutet. Und wie sich diese Ideen im Roman entfalten. Davon erzähle ich an anderer Stelle weiter. Oder auf den Seiten meines Buches.
Und was das alles mit Island zu tun hat, erfährst du im nächsten Teil.
Blog Artikel 3
Thomas Hüttmann
Island wirkt einfach anders
Island ist für mich mehr als ein Ort. Es ist eine Offenbarung. Weite, die mir den Blick klärt. Licht das einfach fantastisch ist, nicht nur für meine Fotos. Landschaft, die Präsenz verlangt. Wer hier unterwegs ist, schaut anders. Hört anders. Denkt langsamer. Vielleicht auch ein wenig klarer.
Ich war oft dort. Manchmal allein. Oft mit Gruppen. In den letzten Jahren immer wieder als Reiseleiter. Und jedes Mal zeigte sich das Land neu. Rau, schroff und fordernd. Aber auch Sanft und einladend. Still bis an die Grenze des Erträglichen. Island begeistert immer wieder neu. Genau das fasziniert mich.
Warum berührt mich diese Insel so sehr? Warum fühlt sich hier vieles unmittelbarer an. Vielleicht, weil sich hier wenig verstecken lässt. Die Landschaft ist offen. Das Wetter ehrlich. Die Natur spricht unterschiedliche Sprachen. Und sie erwartet Antwort.
Besonders beeindruckt mich der Umgang der Isländerinnen und Isländer mit ihrer Natur. Und mit ihren Ressourcen. Lange hatte ich den Gedanken, dass es für dieses Land einfach leichter sei, so viel geothermische Energie nutzbar zu machen. Und enorm viel Wasser. Gute Voraussetzungen, um Vorreiter zu sein. Das stimmt vielleicht. Heute sehe ich noch etwas anderes.
Sie machen es einfach.
Ein Beispiel hat mich besonders geprägt. Das Geothermieprojekt Hellisheiði, eines der größten weltweit. Es liegt südöstlich von Reykjavík, eingebettet in eine karge, scheinbar lebensfeindliche Lava- und Hochlandlandschaft. Dort wird die Hitze der Erde genutzt, um Strom zu erzeugen und große Teile der Hauptstadtregion mit Wärme zu versorgen. Doch das Beeindruckende liegt für mich tiefer.
Direkt an diesem Kraftwerk wurde das Projekt CarbFix entwickelt. Kohlendioxid wird aus industriellen Prozessen abgeschieden, mit Wasser vermischt und tief in basaltisches Gestein gepresst. Dort reagiert es mit dem Gestein und mineralisiert. Aus Gas wird Stein. Innerhalb weniger Jahre. Ein Prozess, der sonst Jahrtausende dauert.
Als ich das zum ersten Mal hörte, war ich interessiert. Ein Projekt, das zeigt, wie technologische Innovation und Verantwortung zusammenfinden können.
Was mich daran besonders berührt. Hier geht es um eine Selbstverständlichkeit im Handeln. Vielleicht wirkt Island deshalb so echt auf mich, weil Entscheidungen hier sichtbar werden.
Diese Haltung hat sich in mir festgesetzt. Sie floss langsam, fast unbemerkt, in mein Schreiben ein. In die Figuren. In die Fragen, die sie stellen. In die Konflikte, die entstehen. Island wirkt anders. Und genau deshalb konnte Gletschereis hier entstehen.
Ich fragte mich, was aus all dem Wissen und den Erfahrungen werden soll.
Weltklimakonferenz - warum im Roman?
Eine Weltklimakonferenz wirkt wie Politik auf Distanz und trifft dann überraschend nah. In Gletschereis findet sie in Reykjavík statt: als Brennglas, in dem Verantwortung, Veränderung und persönliche Entwicklung scharf werden. Aus großen Themen werden konkrete Fragen und aus Fragen entsteht Geschichte.
Blog Artikel 4
Thomas Hüttmann
Lernen jenseits von Seminarräumen
Viele meiner Reisen nach Island hatten von Beginn an einen Bildungshintergrund. Anfangs ging es um Fotografie und um Wahrnehmung. Um den Blick für Licht, Farben und Stimmungen. Mit der Zeit rückten andere Themen in den Vordergrund. Klima, Umwelt und Verantwortung.
Verantwortung übernehmen. Ins Handeln kommen. Das sind große Worte. Ihre Bedeutung zeigt sich erst weit draußen. Dort, wo Wind eisig weht. Wo Kälte spürbar wird. Dort, wo Landschaft deutlich macht, dass weiteres Zögern im Umgang mit dem Klimawandel keine Option mehr ist.
Ich habe im Laufe der Jahre viele besondere Orte in unterschiedlichen Nationalparks besucht. Habe mit jungen Menschen aus Deutschland, den Niederlanden und Dänemark an deren Themen gearbeitet. Gespräche geführt. Fragen geteilt. All das im Rahmen meiner Bildungsarbeit. Vieles davon war intensiv. Und doch hat mich nichts so tief berührt wie die Erfahrung, schwindende Gletscher mit eigenen Augen zu sehen.
Auf einem Gletscher stehend verändern sich Gespräche.
Der Guide spricht über Rückzug. Über Linien, die früher viel weiter vorne lagen. Über Eis, das Jahr für Jahr schneller verschwindet. Über Zeiträume, die größer sind als ein Menschenleben. Plötzlich bekommt Zeit eine andere Dimension. Sie wird spürbar. Körperlich fast.
Ich erinnere mich an diesen Moment, als wäre er gerade erst geschehen. Und an eine Frage, die sich festgesetzt hat.
Wie erzählt man davon?
Wie gibt man diese Erfahrung weiter, ohne sie zu verkleinern. Ohne sie zu glätten. Ohne sie ihrer Wucht zu berauben.
Diese Frage ließ mich nicht mehr los. Und sie wurde zu einem Ausgangspunkt für das, was später Gletschereis werden sollte.
Was Island mit meinem Schreiben zu tun hat, findest Du im nächsten Abschnitt.
Blog Artikel 5
Thomas Hüttmann
Schreiben sucht Verbindung
Geschichten begleiten mich schon lange. Sie waren immer da. Mal als Skizzen am Rand eines Notizbuchs. Mal als Szene, die sich festsetzt und nicht mehr gehen will. Mal als Gedanke, der sich erst beim Schreiben wirklich zeigt. Schreiben gehört zu meinem Leben, lange bevor Gletschereis überhaupt einen Namen hatte.
Im Laufe der Jahre habe ich viele Texte veröffentlicht. Im Rahmen meiner beruflichen Arbeit. Für Projekte, Konzepte, Bildungsformate. Texte, die erklären, einordnen, weiterdenken. Schreiben war eines meiner Werkzeuge. So wie Fotografie und Grafikdesign. Und auch meine Arbeit als Seelsorger und Coach gehört dazu. Alles sind unterschiedliche Sprachen, die ich sprechen gelernt habe. Heute merke ich, wie sehr sie zusammengehören. Wie sie sich gegenseitig schärfen. Und wie ich sie in meinen Büchern miteinander verbinde.
Auch für meine Kinder habe ich Geschichten geschrieben. Bücher, die aus gemeinsamen Erlebnissen entstanden sind. Aus Fantasie. Aus dem Wunsch, Welten zu entdecken, in die man eintauchen kann.
Und irgendwann war da dieser neue Gedanke. Die Idee, ein wirkliches Buch zu schreiben. Einen Roman. Eine Erzählung, die Zeit hat. Eine Geschichte, die sich entfalten darf. Und eine Botschaft, die nicht erklärt werden will, sondern fühlbar wird.
Mit den Reisen nach Island begann sich plötzlich etwas zu verschieben. Landschaft wurde mehr als Kulisse. Figuren traten in ihr auf, als hätten sie dort schon lange gewartet. Gespräche von früher verbanden sich mit inneren Bewegungen. Fragen nach Verantwortung trafen auf persönliche Entscheidungen. Ich merkte, wie Erleben und Erzählen ineinander griffen. Wie aus Eindrücken Handlung wurde.
Hier entstand etwas Eigenes. Etwas, das weder Sachbuch noch Bericht sein wollte. Sondern Literatur. Eine Erzählung, gespeist aus Erfahrungen, ohne sich an ihnen festzuklammern.
Wann wird aus Erleben Literatur. Und was ist die Botschaft dieser Geschichte.
Diese Fragen begleiteten mich fortan. Sie wurden Teil des Schreibprozesses. Und sie führten mich Schritt für Schritt näher an das heran, was schließlich Gletschereis werden sollte.
Ein Leser fragte mich nach den Orten meines Romans und ob ich auch schon dort gewesen sei.
Mehr dazu im nächsten Beitrag.
Blog Artikel 6
Thomas Hüttmann
Orte, die tragen
Alle Orte, die in meinem Roman auftauchen, kenne ich nicht aus Karten oder Recherchen. Ich war dort. Ich stand im Wind. Ich habe das Licht gesehen, das sich in Island von Minute zu Minute verändert.
Ich kenne das Knirschen von Schritten auf Eis und das dumpfe Geräusch von Stein unter den Schuhen. Und ich weiß, dass Schnee nicht einfach nach Kälte riecht, sondern je nach Ort, Wetter und Tageszeit ganz eigene Nuancen trägt.
Ich habe in Gletscherhöhlen gestanden, umgeben von Licht, das durch das Eis wandert. Räume, die gleichzeitig offen und verletzlich wirken. Still und doch in Bewegung. Dort wird spürbar, dass nichts bleibt, wie es ist. Genau dieses Gefühl begleitet mich beim Schreiben. Geschichten sind auch solche Räume. Man betritt sie, bleibt einen Moment, und geht verändert wieder hinaus.
Ein Erlebnis hat sich besonders eingebrannt. Eine Winternacht, weit draußen. Ein Geysir, der regelmäßig aus der Dunkelheit aufsteigt, dampfend, kraftvoll. Über mir Polarlichter, die den Himmel in Bewegung setzen. Grün, fließend, fast schwerelos. Unter mir die Hitze der Erde, über mir dieses Licht. Kaum ein Ort bringt Gegensätze so klar zusammen. Eis und Wärme. Ruhe und Energie. Genau diese Spannung interessiert mich auch literarisch.
Wenn ich durch Islands Landschaft reise, ohne festen Plan, geschieht etwas Merkwürdiges. Gedanken lösen sich. Ideen nehmen Raum ein. Schreiben beginnt, lange bevor ich etwas festhalte. Es entsteht unterwegs, im Gehen, im Schauen, im Aushalten von Weite.
Vielleicht liegt genau darin die Kraft von Literatur. Orte sprechen zu lassen, ohne sie festzuschreiben. Bewegung zuzulassen. Und darauf zu vertrauen, dass das, was trägt, von selbst bleibt.
Überraschung … Der Protagonist klopft an meiner Tür an … aber lies selbst.
Blog Artikel 7
Thomas Hüttmann
Mit einem Mal stand Henrik in der Tür
Henrik kam nicht geplant. Er wurde nicht entworfen, nicht gesucht, nicht vorbereitet. Er stand einfach da. In dem Moment, als ich über das Gästehaus in Reykjavík nachdachte, über diesen Ort, an dem Menschen ankommen und wieder aufbrechen. Plötzlich war da dieser junge Mann. Kam freundlich lächelnd zur Tür herein, so als hätte er seine Geschichte bereits bei sich.
Sehr früh war mir klar: Er ist der Protagonist. Die Hauptfigur. Der Mensch, durch dessen Blick ich diese Geschichte erzählen will. Von der ersten Seite an begleitet er den Roman. Nicht als Beobachter am Rand, sondern mitten im Geschehen.
Ich hatte davon gelesen, dass Figuren sich manchmal selbst melden. Dass sie auftauchen, ohne Einladung. Ich hielt das immer für eine schöne Metapher. Bis es mir selbst passierte. Und dann ist es mehr als eine Idee. Es ist lebendig und ziemlich spannend. Und ehrlich gesagt auch ein wenig irritierend. Denn von diesem Moment an will die Figur etwas. Raum. Bewegung. Entwicklung. Es war, als sollte es nun endlich mit dem Schreiben losgehen.
Henrik trägt Spuren von Menschen, denen ich begegnet bin. Gespräche, die nachklingen. Haltungen, Zweifel, Fragen. Und ja, auch Gedanken, die mich selbst beschäftigen. Ich habe ihn nicht nach mir geschrieben. Und doch trägt er etwas von mir in sich. Nicht als Abbild, sondern als Resonanz.
Durch Henrik betrete ich die Welt neu. Ich gehe Wege erneut. Ich stelle Fragen erneut. Ich staune erneut. Über Landschaft. Über Begegnungen. Über das, was entsteht, wenn man sich wirklich einlässt.
Wie verändert sich ein Mensch, wenn eine Landschaft ihn herausfordert. Was geschieht, wenn Begegnungen mehr verlangen als eine Haltung. Henrik geht diesen Fragen nach. Und ich gehe mit ihm.
Freude zu Teilen ist wie doppelte Freude … mehr dazu im nächsten Eintrag.
Henriks Kunst
Henrik macht Kunst, die sich nicht einfach anschaut. Sie setzt sich fest. Seine Arbeiten wirken wie Fundstücke aus einer inneren Landschaft: klar, präzise, voller Spannung. Man spürt darin Fragen, Brüche, Sehnsucht nach Form und plötzlich passt alles erstaunlich gut zu Gletschereis.
Denn Henriks Kunst erzählt auf ihre Weise genau das, was auch im Roman mitschwingt: Wie sich etwas unter der Oberfläche bewegt, bis es sichtbar wird.
Blog Artikel 8
Thomas Hüttmann
Warum ich meine Ideen teile
Dieser Blog entsteht aus Freude. Aus echter Freude am Erzählen, am Erinnern und an dem Moment, in dem eine Geschichte anfängt, sich selbst zu zeigen. Ich schreibe diese Texte, weil ich Menschen mitnehmen möchte. Nicht nur an Orte, sondern in Gedanken, Stimmungen und Fragen, die sich selten einfach so beantworten lassen.
Gletschereis ist unterwegs entstanden. Auf meinen Wegen. An realen Orten. In unterschiedlichsten Begegnungen, die etwas ausgelöst haben. In Momenten, die geblieben sind. Genau das möchte ich hier teilen als Einladung, ein Stück des Weges mitzugehen.
Dieser Blick hinter die Kulissen ist kein Beiwerk zum Roman. Er gehört zu ihm. Denn Geschichten beginnen lange vor der ersten Seite. Sie entstehen im Gehen, im Schauen und auch mal im Innehalten. Natürlich kenne ich die Zweifel nur zu gut. Und oft genau dann, wenn ich es nicht erwarte.
Vielleicht wecken diese Texte etwas in dir. Eine Erinnerung. Eine Sehnsucht. Oder die Lust, den eigenen Blick wieder zu schärfen. Für Orte, die etwas hinterlassen haben. Für Erfahrungen, die bis heute wirken.
Welche Landschaft hat dich geprägt?
Welche Begegnung hat deinen Blick verändert?
Im nächsten Blogteil erzähle ich weiter. Vom Weg der ersten Gedanken zum fertigen Plot. Vom Schreiben selbst. Von Momenten des Zweifelns und von der Freude, wenn eine Geschichte plötzlich trägt. Und davon, wie all das schließlich zu Gletschereis wurde.
Denn so viel kann ich schon verraten. Es wird eine unglaublich spannende Reise für mich …
Blog Artikel 9
Thomas Hüttmann
Die lange Reise zum ersten Satz
Bevor der erste Satz stand, war längst alles in Bewegung. In den ersten Wochen schrieb ich Ideen auf Karteikarten. Viele Karten. Zu viele Karten. Ich sammelte, clusterte, sortierte neu, verwarf wieder und fügte Neues hinzu. Es war ein wilder, lebendiger Prozess. Vor meinem inneren Auge formte sich nach und nach ein klareres Bild. Und je klarer es wurde, desto größer wurde meine Lust, weiterzusammeln. Noch eine Karte. Noch ein Gedanke. Noch eine Verbindung.
Als die Figuren Gestalt angenommen hatten, wechselte ich die Perspektive. Mit einer Methode aus dem Coaching stellte ich mir konkrete Situationen vor. Ich setzte die Figuren gedanklich in diese Räume. Ich ließ sie reagieren. Ich trat innerlich mit ihnen in Dialog. Es funktionierte überraschend gut. Fast beunruhigend gut. Ich erfuhr Dinge über sie, die ich nicht geplant hatte. Haltungen, Brüche, innere Spannungen. Von diesem Moment an waren sie mehr als Konstrukte.
Und dann kam er. Der Zweifel. Die Frage, ob ich das wirklich kann. Einen Roman schreiben. Eine lange Geschichte tragen. Statt mich davon bremsen zu lassen, buchte ich kurzerhand einen umfangreichen Onlinekurs. Lernen, dachte ich, ist auch Bewegung. Über Wochen und Monate arbeitete ich mich durch Tutorials, Schreibaufgaben und Übungen. Vieles bestätigte mich. Manches stellte alles wieder infrage. Beides war wichtig.
Irgendwann war klar. Jetzt wird geschrieben. Richtig. Und wie so oft beginnt alles mit diesem einen Moment. Dem ersten Satz des ersten Kapitels. Ich schrieb ihn. Und noch einen. Und dann noch einen. Am Ende hatte ich über zwanzig erste Sätze. Keiner fühlte sich richtig an. Jeder wollte etwas anderes. Das war der schwierigste Teil des gesamten Prozesses. Aber ich kenne mich. Wenn der Anfang erst da ist, wirklich fertig ist, kommt der Rest auch fast von allein in Bewegung.
In dieser Phase griff ich oft zu meinen Fotobüchern von Island. Ich blätterte hindurch. Sah Licht und Farben. Sah Weite. Erinnerte mich an Wind, Kälte, Stille. Diese Bilder halfen mir, immer wieder zurückzufinden. In die Stimmung. In den Ton. Und irgendwann war er da. Der Satz, der gut war, so wie er war. Und mit ihm begann die Geschichte endlich zu laufen.
Und genau davon erzähle ich im nächsten Teil weiter. Wie aus einem ersten Satz ein Kapitel wurde. Und aus vielen Kapiteln ein Roman.
Ankunft in Reykjavík
Ein junger Künstler kommt in Reykjavík an. Glasfassaden fangen das Licht, Schritte hallen durch weite Räume, Stimmen überlagern sich. Die Stadt steht unter Spannung. In wenigen Tagen beginnt hier die große Weltklimakonferenz, an der er teilnehmen wird. Noch liegt ein Moment dazwischen. Zeit zum Beobachten. Zum Einatmen. Gletschereis setzt genau hier an. Der Roman folgt Henriks Blick, seiner feinen Wahrnehmung für Orte, Stimmungen und die leisen Verschiebungen unter der Oberfläche. Während sich Reykjavík auf ein globales Ereignis vorbereitet, verdichten sich in ihm Fragen nach Verantwortung und Haltung. Das erste Kapitel öffnet einen Raum, in dem äußere Bewegung und innere Klarheit ineinandergreifen und etwas in Gang setzen, das nicht mehr aufzuhalten ist.
Blog Artikel 10
Thomas Hüttmann
Der Moment, in dem alles noch einmal kippte
So hatte ich gelernt, wie wichtig es ist, einen Plot zu entwickeln und sich im Vorfeld intensiv Gedanken zu machen. Es hilft, sich mit Dramaturgie, Wendepunkten, Figurenentwicklung und inneren Bögen auseinanderzusetzen. Ich nahm diesen Teil des Schreibens ernst.
Ich plante, strukturierte und setzte alles sauber auf. Danach begann ich zu schreiben. Viel und konzentriert. Mit Ausdauer und wachsender Sicherheit. Bis eines Tages tatsächlich dieses Gefühl da war, fertig zu sein.
Beim ersten Korrekturlesen stellte sich Ernüchterung ein. Der Text war gut. Wirklich gut. Und doch war es nicht das Buch, das ich schreiben wollte. Etwas fehlte. Etwas Wesentliches. Je genauer ich hinsah, desto klarer wurden die Schwächen. Sie lagen nicht im Stil und nicht in der Sprache. Sie lagen in den frühen Entscheidungen. In den Vorarbeiten. In den Setzungen, die ich mir zu Beginn zu eng gedacht hatte.
Ich erinnere mich noch gut an diesen Moment. An den Ärger. An dieses innere Kopfschütteln. Das hätte ich besser machen können ... und müssen. Das hätte ich anders anlegen müssen. Und ja, beim nächsten Mal weiß ich es besser. Gleichzeitig kam eine weitere Erkenntnis hinzu. Ich musste diesen Text erst vollständig schreiben, um genau das zu verstehen. Ohne diesen Weg wären mir die neuen Ideen vermutlich nicht begegnet. Vielleicht braucht es genau diese Schleifen. Vielleicht gehören sie zum Schreiben einfach dazu.
Rückblickend war es ein unglaublich spannender Prozess. Er bestand aus Höhen, die getragen haben, und aus Tiefen, die Zweifel geweckt haben. Und mittendrin war dieses Gefühl von Freiheit. Die Freiheit, alles schreiben zu dürfen. Ohne Erwartungsdruck. Ohne feste Zielvorgabe. Einfach dem Text zu folgen und zu schauen, wohin er mich führt.
Eine Testleserin fragte mich, warum ich den Roman als Gegenwartsroman einsortiert habe. Warum das so ist, steht im nächsten Blogeintrag.
Blog Artikel 11
Thomas Hüttmann
So wurde Gletschereis ein Gegenwartsroman
Schon öfters wurde ich gefragt, wie sich Gletschereis eigentlich in ein Genre einordnen lässt. Die Handlung spielt im Jahr 2037. Also in der nahen Zukunft. Und trotzdem bezeichne ich den Roman ganz bewusst als literarischen Gegenwartsroman.
Ein Gegenwartsroman definiert sich für mich nicht über ein exaktes Datum, sondern über das, was er verhandelt. Über Fragen, die uns heute beschäftigen. Über Spannungen, die längst spürbar sind. Über Entscheidungen, die nicht irgendwann getroffen werden müssen, sondern jetzt.
Das Jahr 2037 liegt nur einen Schritt vor unserer Gegenwart. Es ist keine ferne Zukunft, keine spekulative Welt, kein Szenario mit neuen Systemen oder komplett neuen Technologien. Die Welt von Gletschereis ist unsere Welt. Mit bekannten politischen Strukturen, vertrauten Konflikten und offenen Fragen, die sich nicht weiter aufschieben lassen. Die Zeitverschiebung dient dem Erzählen. Sie schafft Raum, um Entwicklungen sichtbar zu machen, die längst begonnen haben.
Der Roman fragt nicht, wie die Welt einmal sein könnte. Er fragt, wie wir heute mit dem umgehen, was wir bereits wissen. Klimawandel, Verantwortung, persönliche Haltung, die Rolle von Kunst und die Frage, was ein einzelner Mensch bewirken kann. All das sind Themen der Gegenwart. Sie werden nicht erklärt, sondern erlebt.
Gletschereis ist ein literarischer Roman, der sich Zeit nimmt. Mit rund 500 Normseiten bietet er Raum für Wahrnehmung, für Zwischentöne und für Entwicklungen, die nicht sofort aufgelöst werden. Es geht um innere Bewegungen ebenso wie um äußere Prozesse. Um Gespräche, die etwas verschieben. Und um Momente, in denen klar wird, dass Neutralität keine Option mehr ist.
Angesprochen fühlen dürfen sich Leserinnen und Leser zwischen etwa 30 und 65 Jahren, die sich für Kultur, Nachhaltigkeit, philosophische Fragen oder das Unterwegssein interessieren. Menschen, die gern langsamer lesen, zwischen den Zeilen bleiben und Literatur als Erfahrungsraum verstehen.
Gleichzeitig richtet sich der Roman auch an jüngere Erwachsene ab etwa 17 Jahren. Besonders an jene, die sich im Bildungs- oder Studienkontext mit Klimawandel, gesellschaftlicher Verantwortung oder persönlichen Lebensentscheidungen beschäftigen und über eine erzählerische Perspektive Zugang zu diesen Themen finden möchten.
Mein Roman will verbinden. Zeiten, Generationen und Perspektiven. Es ist ein Roman aus der Gegenwart heraus, mit einem Blick, der einen Schritt vorausgeht. Nicht um zu warnen, sondern um wach zu machen.
Es ist Zeit Testleser zu suchen. Was dann passierte … liest du im nächsten Absatz.
Blog Artikel 12
Thomas Hüttmann
Wenn andere Augen mitlesen
Irgendwann war klar, dass Gletschereis diesen einen Schritt braucht. Raus aus meinem eigenen Schutzraum. Weg vom alleinigen Drehen und Wenden der Geschichte in meinem Kopf. Hin zu anderen Menschen, zu ihren Blicken, ihrem Lesen, ihrem Empfinden. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, meinen Roman erstmals aus der Hand zu geben.
Ich habe mir genau überlegt, wem ich den Text anvertraue. Menschen aus unterschiedlichen Generationen, mit verschiedenen Lebenswegen, mit Nähe und mit Abstand. Freundinnen und Freunde, entfernte Bekannte, Menschen, die mir sehr vertraut sind, und andere, die mir fremder geblieben sind. Schon diese Auswahl fühlte sich mutig an.
Mit dieser Entscheidung kamen die Zweifel:
- Was, wenn sie die Geschichte langweilig finden.
- Was, wenn sie nicht verstehen, was mir wichtig ist.
- Was, wenn meine Bilder nicht tragen.
- Was, wenn alles abgelehnt wird.
Es gab Momente, da war ich kurz davor, das Projekt wieder einzupacken. Den Roman einfach für mich zu behalten. Mich allein über ihn zu freuen. Aus, vorbei und fertig,
Und dann habe ich es trotzdem getan.
Ich habe das Manuskript mit einigen Fragen dazu verschickt. Und gewartet. Dieses Warten war ungewohnt. Manche Rückmeldungen kamen schnell, andere ließen sich Zeit. Einige schafften es nicht, alles zu lesen. Auch das gehört dazu. Aber alle meldeten sich. Auf ihre Weise. Mit Gedanken, Fragen, Anmerkungen.
Ich hatte mir vorher bewusst vorgenommen, Kritik nicht sofort abzuwehren. Erst zuzuhören. Erst zu verstehen. Und sie nicht zu persönlich zu nehmen. Zumindest nicht alles. Das war nicht immer leicht, aber es war richtig.
Die Rückmeldungen waren aufschlussreich, freundlich und zugleich klar. An manchen Stellen sehr kritisch. Genau dort, wo es notwendig war. Sie haben mir gezeigt, wo die Geschichte trägt und wo sie noch Luft braucht. Wo sie berührt und wo sie unklar bleibt.
Dieser Schritt hat mir unglaublich viel gegeben. Sicherheit, wo vorher Unsicherheit war. Klarheit, wo noch Nebel lag. Und das Gefühl, dass diese Geschichte nicht nur für mich funktioniert.
Mit großer Freude und neuem Enthusiasmus bin ich danach in die letzte Phase der Überarbeitung gegangen. Mit dem Wissen, dass Gletschereis begonnen hat, sich zu lösen. Nicht fertig. Nicht perfekt. Aber bereit, weiterzugehen.
Bin ich so mutig und veröffentliche ich meinen Roman wirklich? Aber lies selbst …
Blog Artikel 13
Thomas Hüttmann
Der Schritt nach draußen
Irgendwann war dieser Punkt da. Während ich mein Buch zu Ende schrieb und nach dem dritten kompletten Durchgang immer wieder Stellen fand, die sich noch nicht richtig anfühlten, beschlich mich ein leiser Verdacht. Vielleicht zog ich die Veröffentlichung unbewusst hinaus?
Der Roman war geschrieben. Die Geschichte stand. Und trotzdem blieb eine Frage, die sich nicht länger ignorieren ließ.
Wie geht das eigentlich weiter?
Also habe ich etwas getan, das mir nicht leichtfiel. Ich habe mir Hilfe gesucht. Ich habe einen Fachmann angeschrieben. Einen Schriftsteller, der diesen Weg kennt und andere dabei begleitet. Ich hatte keine Ahnung, was diese einfache Anfrage auslösen würde.
Denn ab diesem Moment verschob sich etwas. Mein Blick auf den Text veränderte sich. Und auch mein Blick auf mich selbst als Autor. Schreiben bedeutete plötzlich mehr als Sprache, Figuren und Atmosphäre. Es ging um Haltung. Um Geduld. Um Entscheidungen, die ich nicht mehr alleine treffe.
So spannend der Weg bis dahin gewesen war, jetzt wurde er anders. Komplexer und herausfordernder. Zugleich überraschend offen. Gespräche entstanden. Rückmeldungen kamen. Neue Perspektiven taten sich auf. Manches bestätigte mich. Anderes verunsicherte mich. Genau das war wichtig und richtig.
Mir wurde klar: Ein Roman ist nicht fertig, wenn der letzte Satz geschrieben ist. Er ist fertig, wenn man bereit ist, ihn loszulassen. Wenn man zulässt, dass andere ihn lesen, prüfen, einordnen. Das ist kein technischer Schritt. Das ist ein sehr persönlicher.
Rückblickend war genau das der Moment, an dem es wirklich ernst wurde. Und vielleicht auch der Moment, an dem Gletschereis begonnen hat, seinen eigenen Weg zu gehen.
Im nächsten Beitrag erzähle ich weiter. Von neuen Zweifeln und von klaren Entscheidungen. Und davon, warum dieser Schritt für mich unverzichtbar war.
Blog Artikel 14
Thomas Hüttmann
Es dauerte, bis ich wirklich verstand
Ein Testleser schrieb, dass ihr mein Roman richtig gut gefallen hätte, aber bei Kapitel 6 hätte er den Übergang zu Kapitel 7 nicht verstanden …“
Ich habe auf Rückmeldungen gewartet. Mit einer Mischung aus Vorfreude und Nervosität. Mit dieser stillen Hoffnung, dass jemand sieht, was ich gesehen habe. Und mit der leisen Angst, dass genau das vielleicht nicht passiert.
Als die Rückmeldungen dann kamen, saß ich erst einmal da und wusste nicht so recht, wohin mit all den Gedanken. Vieles konnte ich sofort gut nachvollziehen. Es fühlte sich stimmig an. Und doch gab es Stellen, an denen ich innerlich stockte. Zwei meiner Testleserinnen und Testleser beschrieben Abbrüche im Plot. Momente, in denen sie den Faden verloren hatten. Für mich war dort aber doch alles klar gewesen. Jeder Schritt. Jede Verbindung. Jede innere Bewegung.
Für sie war es das nicht.
Im ersten Moment war das schmerzhaft. Ich mochte diese Passagen. Ich hatte sie mit Überzeugung geschrieben. Sie gehörten für mich selbstverständlich zur Geschichte. Und plötzlich stand da diese Erkenntnis, dass etwas, das sich für mich rund anfühlte, für andere nicht getragen hat. Das musste ich erst einmal aushalten.
Ich habe mir bewusst Zeit genommen, es zu verarbeiten. Ich wollte nichts erklären. Nichts verteidigen. Ich wollte verstehen. Also habe ich die Rückmeldungen liegen lassen. Habe sie wieder hervorgeholt, viel mehr als nur einmal … Habe sie gelesen und noch einmal gelesen. Und irgendwann begann sich etwas zu verschieben.
Mir wurde klar, dass es weniger um einzelne Szenen ging. Es ging um Übergänge. Um innere Logik. Um Stellen, an denen mein eigenes Wissen über die Geschichte so selbstverständlich war, dass ich es nicht mehr erzählt hatte. Diese Erkenntnis war überraschend. Und sie war auch befreiend. Denn sie zeigte mir, wo ich als Autor zu dicht an meinem Stoff war.
Am Ende habe ich einige Passagen grundlegend überarbeitet. Nicht aus einem Gefühl von Mangel heraus, sondern aus einem neuen Verständnis. Die Geschichte wurde klarer. Und ich selbst wurde es auch. Rückblickend war das eine sehr gute Erfahrung. Eine, die mir Sicherheit gegeben hat, wo zuvor Unsicherheit war.
Besonders berührt hat mich etwas anderes. Es gab Themen, die ich bewusst nicht weiterverfolgt habe. Immer dann, wenn ich merkte, dass meine Testleserinnen und Testleser begannen, ihre eigenen Geschichten zu entwerfen. Eigene Ideen. Eigene Seitenstränge. Das fühlte sich für mich nicht wie ein Verlust an. Es war eher ein stilles Staunen. Als hätte der Text ihnen einen Raum geöffnet, in dem ihre eigenen Gedanken Platz fanden. Ich habe das als großes Kompliment verstanden.
Das Sortieren der Rückmeldungen ging mir erstaunlich leicht von der Hand. Ich hatte konkrete Fragen gestellt. Das half. Ich schrieb alles in mein Notizbuch. Fasste zusammen, was zusammengehörte. Und prüfte, ob sich Linien erkennen ließen. Genau das war der Fall. Viele Hinweise verbanden sich. Ergänzten sich. Und ergaben plötzlich ein klares Bild.
An diesem Punkt wurde mir etwas Entscheidendes bewusst. Rückmeldungen sagen selten, was falsch ist. Sie zeigen, wo ein Text noch wachsen kann. Und manchmal zeigen sie auch, wo man selbst wachsen darf.
Manches davon würde tatsächlich erst viel später wirklich zu mir durchdringen.
Blog Artikel 15
Thomas Hüttmann
Drei Textpassagen, die ich neu gebaut habe
Es gab nicht diesen einen großen Umbau, nach dem plötzlich alles anders war. Stattdessen waren es drei Stellen, an denen ich innehielt. Drei Momente im Text, an denen mir klar wurde, dass sich etwas verschieben darf. Und vielleicht sogar muss.
Die erste Stelle lag ganz am Anfang. Mehrere Testleserinnen und Testleser beschrieben den Einstieg als atmosphärisch, dicht und interessant. Und zugleich als zu lang. Die ersten Seiten folgten den Geschehnissen fast in Echtzeit. Schritt für Schritt. Gedanke für Gedanke. Ich war überrascht. Während des Schreibens hatte ich eher das Gefühl gehabt, zu kurz zu sein. Zu schnell voranzugehen. Diese Rückmeldung brachte mich erstmals deutlich mit dem Unterschied zwischen eigener Wahrnehmung und Leseerfahrung in Kontakt. Ich begann zu verstehen, dass Nähe nicht automatisch durch Ausführlichkeit entsteht. Und dass Vertrauen in den Text manchmal bedeutet, früher weiterzugehen.
Die zweite Stelle betraf einen Übergang, der mir lange logisch erschienen war. Nach den intensiven Ereignissen der ersten sechs Kapitel war ich innerlich sehr nah bei meinem Protagonisten. Ich hatte das Gefühl, er brauche eine Pause. Einen Moment des Innehaltens. Ein Abtauchen, bevor es weitergeht. Für mich war das völlig stimmig. Fast selbstverständlich. Die Rückmeldungen meiner Testleserinnen und Testleser trafen mich unerwartet. Sie verstanden überhaupt nicht, warum er sich zurückzieht. Jetzt, so schrieben sie, gehe es doch erst richtig los. Mein erster Gedanke war Verwunderung. Für mich tat es das doch auch. Und erst nach und nach wurde mir klar, wie sehr ich als Autor mit meiner Figur mitgegangen war. So sehr, dass ich seine innere Erschöpfung vorausgesetzt hatte, ohne sie wirklich zu erzählen. Dieser Moment war unglaublich spannend für mich. Nicht schmerzhaft, sondern erhellend. Ich habe ihn gern angenommen. Und den Übergang neu gestaltet. Nicht, um das Tempo zu erhöhen, sondern um den inneren Zustand sichtbar zu machen, den ich bislang nur gefühlt hatte.
Die dritte Stelle war das Ende. Ich hatte mir lange nicht vorgestellt, wie es sich anfühlt, wenn ein Roman fast fertig ist. Das letzte Kapitel war geschrieben. Für mich war es rund. Stimmig. Und ehrlich gesagt auch ein schönes Ende. Die Rückmeldungen waren freundlich und zugleich eindeutig. Nett, ja. Aber da fehlt noch etwas. In diesem Moment fühlte ich mich ertappt. Und zugleich beeindruckt. Wie klar Leserinnen und Leser spüren, ob ein Ende trägt oder lediglich abschließt. Ich habe mir für dieses Kapitel noch einmal viel Zeit genommen. Mehr als für viele andere. Nicht, um es größer zu machen. Sondern um es wahrhaftiger werden zu lassen.
Diese drei Stellen haben den Roman verändert. Und sie haben auch etwas in mir verändert. Ich habe gelernt, genauer hinzuhören. Auf den Text. Auf die Figuren. Und auf das, was Leserinnen und Leser wahrnehmen, auch wenn ich es selbst längst als selbstverständlich empfunden hatte.
Während ich umbaute, begann sich etwas Erfreuliches zu verändern.
Wie alles anfing
Henrik geht in das Treffen seiner Kunstgruppe mit dem Gefühl, dass es ein Abend wie viele wird: Austausch, Kritik, Ideen, die noch unfertig sind. Dann kippt der Moment. Eine kurze Pause, ein Blick, ein Name ... sein Name.
Die Gruppe nominiert ihn. Erst wirkt es unwirklich, dann spürt er das Gewicht dieser Entscheidung: Vertrauen, Erwartung, plötzlich auch Verantwortung. Aus seinem Arbeiten im Hintergrund wird ein großer Schritt nach vorn. Er kann es gar nicht glauben.
Mit dieser Nominierung öffnet sich eine Tür. Reykjavík rückt näher, die Weltklimakonferenz bekommt ein Gesicht, sein Kunstprojekt wird Teil der Konferenz. Henrik merkt, wie sein Abenteuer beginnt, lange bevor die Reise startet ...
Blog Artikel 16
Thomas Hüttmann
Was ich übernommen habe und was bewusst geblieben ist
Mit den Rückmeldungen begann für mich ein erneuter Lernprozess. Am Text, und gleichermaßen an mir selbst. Ich musste entscheiden, was ich aufnehme. Und ebenso, was ich stehen lasse. Beides fühlte sich am Anfang ungewohnt an.
Einige Hinweise habe ich sofort übernommen. Sie öffneten mir die Augen. Plötzlich sah ich Übergänge, die klarer werden durften, und Stellen, an denen ich als Autor zu viel vorausgesetzt hatte. Diese Veränderungen taten dem Text gut. Und mir auch.
Dann gab es Rückmeldungen, bei denen ich innerlich nickte und gleichzeitig wusste. Ich verstehe, was ihr meint. Und genau diese Stelle bleibt so, wie sie ist. Nicht aus Sturheit. Sondern aus Überzeugung. Weil sie zum Rhythmus gehört. Zur Haltung. Zur Geschichte, die ich erzählen will.
Diese Entscheidungen fielen mir anfangs schwer. Mit der Zeit wurden sie leichter. Ich lernte, dass Verstehen und Stehenbleiben sich nicht ausschließen. Dass man etwas sehen kann, ohne es zu verändern. Und dass genau darin eine neue Sicherheit liegt.
Heute fühlt sich das gut an. Ich höre zu und ich prüfe. Dann entscheide ich. Nicht alles, was erklärt werden kann, muss verändert werden. Manche Stellen dürfen bleiben, weil sie genau dort richtig sind.
Diese Klarheit hatte ich am Anfang noch nicht.
Blog Artikel 17
Thomas Hüttmann
Überarbeiten ist kein Rückwärtsgang
Lange verband ich das Überarbeiten eines Romans mit Zurückgehen. Mit erneutem Durchqueren bereits gegangener Wege. Mit dem Gefühl, wieder am Anfang zu stehen. Erst später begann sich dieses Bild zu verändern.
Der Wendepunkt kam unbemerkt. In dem Moment, als ich begriff, dass Überarbeiten Zeit braucht. Viel Zeit. Und dass genau darin etwas Befreiendes liegt. Plötzlich entstand Raum. Raum zum Bleiben, zum Schauen, zum Wiederkommen. Geduld wurde zu einer verlässlichen Begleiterin. Ich stellte fest, dass ich immer öfters Textüberarbeitungen auf einen „Hunde-Spaziergang“ mitnahm. Da hatte ich einfach Zeit dafür … und habe ab und an meinem Hund davon erzählt.
Beim Schreiben hatte ich zuvor etwas anderes an mir beobachtet. In Phasen, in denen mir alles zu viel wurde, erhöhte sich mein Tempo. Ich schrieb schneller und schneller, als ließe sich Überforderung einfach überholen. Irgendwann lernte ich, bewusst auf die Bremse zu treten. Um mich selbst wieder einzuholen. Das brauchte etwas, bis ich es entspannend fand.
In dieser Zeit lernte ich viel über mich als Autor. Vor allem im Umgang mit meiner Ungeduld. Sie bekam einen Platz, an dem sie wirken durfte. Heute weiß ich. Ungeduld zeigt mir, wie wichtig mir eine Geschichte ist. Das Überarbeiten zeigt mir, wie sie wachsen kann.
Der entscheidende Moment kam nach der ersten vollständigen Überarbeitung. Ich las den Roman erneut. Und spürte es sofort. Jetzt war Leben darin. Endlich!
Sein Blick veränderte auch meinen.
Blog Artikel 18
Thomas Hüttmann
Warum Henrik genauer hinsieht, wenn andere nur weitermachen wie bisher
Henrik betritt einen Raum und ist angenehm präsent. Er nimmt Feinheiten auf, die anderen entgehen. Ein kaum hörbarer Unterton in einer Stimme. Ein Blick, der länger verweilt. Eine Spannung, die sich zwischen Worten aufbaut. Sein Blick ist wach, schnell und ungewöhnlich präzise. Genau darin liegt seine besondere Kraft.
Er denkt vielschichtig. Eindrücke erreichen ihn direkt und unverstellt. Licht, Farben, Geräusche und Bewegungen verbinden sich zu inneren Bildern, die nach Bedeutung verlangen. Seine Kunst ist für Henrik kein Beiwerk, sondern Sprache. Sie hilft ihm, Komplexität zu ordnen und weiterzugeben. Er erkennt Zusammenhänge früh und stellt Fragen, bevor sie offensichtlich werden. Entscheidungen betrachtet er aus mehreren Perspektiven zugleich. Das verleiht ihm Klarheit und Tiefe.
Island schärft diesen Blick. Die Landschaft fordert Präsenz und belohnt Aufmerksamkeit. Henrik liebt Gletscher seit seiner Kindheit und weiß viel von seinen Großeltern über das ewige Eis. Diese Erfahrungen verankert etwas in ihm. Sie macht ihn ruhiger, entschlossener und wacher für das Wesentliche im Bezug auf den Klimawandel und seine Folgen.
Während sich Reykjavík auf die Weltklimakonferenz vorbereitet, bewegt sich Henrik durch Räume voller Erwartungen und Interessen. Er hört genau hin. Seine Stärke liegt im Verbinden. Menschen fühlen sich gesehen. Gespräche öffnen sich. Gedanken gewinnen Tiefe.
Henrik wirkt leise und zugleich intensiv. Seine Präsenz zieht an, weil sie persönlich und echt ist. Wer mit ihm geht, entdeckt eine Figur, die feiner wahrnimmt, klarer denkt und gerade dadurch kraftvoll handelt. Mit Henrik sieht man die Welt genauer und spürt, dass Veränderung hier beginnen kann.
Manche Stimmen hört man erst, wenn es still wird.
Blog Artikel 19
Thomas Hüttmann
Die Kunst der Nebenfigur
In jeder guten Geschichte gibt es Menschen, die kaum auffallen und dennoch alles verändern. Sie betreten den Raum, ohne ihn an sich zu ziehen. Sie bleiben, wenn andere längst weitergezogen sind. Und oft merkt man erst viel später, wie sehr sie den Weg mitgeprägt haben.
In Gletschereis begegnet Henrik solchen Weggefährten. Menschen, die selten im Mittelpunkt stehen und gerade dadurch Gewicht bekommen. Sie reden wenig, doch ihre Sätze bleiben hängen. Sie hören zu, während andere reden. Sie stellen Fragen, die einen Umweg auslösen. Oder sie reichen einfach eine Tasse Tee zur richtigen Zeit. Island ist voller solcher Begegnungen. Vielleicht bringt die Landschaft sie hervor. Vielleicht lädt sie dazu ein, genauer hinzuschauen.
Da ist zum Beispiel jemand, der bei jeder Diskussion über Klima, Verantwortung oder Zukunft erst einmal schweigt. Und dann einen Satz sagt, der alles sortiert. Oder eine Person, die mit trockenem Humor Spannung aus einem Raum nimmt, kurz bevor sie kippt. Kein großer Auftritt, eher ein leises Lächeln. Und plötzlich atmen alle wieder freier.
Diese Weggefährten tragen Henrik, ohne ihn zu führen. Sie geben Richtung, ohne sie vorzugeben. Sie spiegeln, ohne zu bewerten. Genau darin liegt ihre Kraft. Sie machen Räume weit. Sie erlauben Entwicklung. Und sie erinnern daran, dass Veränderung selten allein entsteht.
Beim Schreiben habe ich gemerkt, wie sehr gerade diese Figuren meine eigene Wahrnehmung geschärft haben. Sie stehen für all die Menschen im echten Leben, die selten zitiert werden und dennoch Spuren hinterlassen. Menschen, die man oft erst vermisst, wenn sie fehlen.
Vielleicht erkennst du beim Lesen eigene Weggefährten wieder. Vielleicht denkst du an jemanden, der dich begleitet hat, ohne es je laut zu benennen.
Je genauer ich hinsah, desto lebendiger wurden sie.
Blog Artikel 20
Thomas Hüttmann
Orte, die mitreden
Manche Romane haben starke Figuren. Gletschereis hat zusätzlich Orte, die selbst Teil der Handlung werden. Sie tragen Stimmung, erzeugen Dynamik und schieben Entscheidungen an. Allen voran die Harpa in Reykjavík.
Für die Weltklimakonferenz wurde sie zum Zentrum des Geschehens umgebaut. Internationale Delegationen, Presse, Aktivistinnen, Künstler, Politiker. Alles läuft hier zusammen. Glasfassaden spiegeln das Licht des Himmels und zugleich die Erwartungen der Welt. Gespräche verdichten sich in Foyers, Fluren und Sälen. Hier wird gerungen, gehofft, gezögert und entschieden. Die Harpa wirkt wie ein offenes Nervensystem. Jeder Schritt durch das Gebäude fühlt sich bedeutungsvoll an, als würde die Architektur selbst zuhören.
Nur wenige Straßen weiter liegt das Gästehaus. Ein Gegenpol zur großen Bühne. Hier sind einige Teilnehmende der Konferenz untergebracht. Menschen, die tagsüber Positionen vertreten und abends ihre Schutzschichten ablegen. Am Küchentisch entstehen Gespräche, die auf keiner Tagesordnung stehen. Tee dampft, Schuhe stehen kreuz und quer im Flur, Stimmen mischen sich mit Lachen und Müdigkeit. Das Gästehaus hält zusammen, was draußen auseinanderzudriften droht. Es wird zum Ort der Verbindung, der Erdung, manchmal auch der ehrlichen Selbstbefragung.
Und dann das Segelschiff. Damit sind einige Teilnehmende angereist. Langsam, bewusst, dem Meer ausgeliefert. Diese Ankunft prägt sie. Das Schiff bleibt präsent. Es verschwindet nicht aus der Geschichte. Es trägt Erinnerungen, Entscheidungen und wird später noch eine Rolle spielen. Wind, Wasser und Kurs bleiben Teil der Erzählung.
Diese Orte reden mit. Sie verändern Menschen. Sie treiben Handlung voran. Vielleicht entsteht genau daraus Spannung. Orte als Figuren. Orte, die etwas in Bewegung setzen.
Mit dem nächsten Punkt wurde mir klar, dass Neutralität keine Option ist.
Blog Artikel 21
Thomas Hüttmann
Landschaft fordert heraus
Island ist mehr als Gastgeber. In Gletschereis übernimmt das Land eine aktive Rolle. Die Landschaft steht im Raum, stellt Fragen und fordert Reaktionen. Wer sich hier bewegt, bleibt beteiligt. Orte wirken mit. Sie treten in Beziehung zu den Menschen, die sich durch sie hindurchbewegen.
Schon in Reykjavík liegt Spannung in der Luft. Die Stadt zeigt sich offen, fast leicht. Gespräche verdichten sich. Termine rücken näher. Die bevorstehende Weltklimakonferenz gibt den Tagen ihren Rhythmus. Hinter modernen Glasfassaden entstehen Programme, Positionen und Formulierungen. Draußen verändern Landschaft, Licht und Farben jede Gewissheit. Diese Gleichzeitigkeit prägt den Roman von Beginn an und zieht sich durch viele Szenen.
Spätestens bei einem besonderen Ausflug ins Umland verschiebt sich der Blick. Aus abstrakten Gedanken werden innere Entscheidungen. Jede Person reagiert. Alle sind Teil des Geschehens. An diesem Wendepunkt fordert die Landschaft Haltung ein.
Auch das Meer bringt Bewegung ins Denken. Die Anreise auf einem Segelschiff, das Unterwegssein auf offenem Wasser, das Sich-Einlassen auf Kurs und Wetter verändern Perspektiven. Aufmerksamkeit wächst. Haltung zeigt sich erneut im Handeln, im Mitgehen, im Reagieren auf das, was gerade geschieht.
Genau hier liegt ein zentraler Kern von Gletschereis. Orte machen sichtbar, dass jede Entscheidung Wirkung entfaltet. Abwarten sendet Signale. Zurückhaltung prägt den Raum. Haltung entsteht im Moment, im Tun und im Aushalten von Spannung.
Wie geht's weiter?
Wenn du bis hierher gelesen hast, bist du schon ein gutes Stück mitgegangen. Dafür danke ich dir. Dieser Blog versteht sich als offenes Notizbuch. Er sammelt Wege, Umwege, Fragezeichen und jene Momente, in denen etwas plötzlich „klick macht“. Genau so, wie Schreiben eben ist. Und wenn du Gedanken, Rückfragen oder eigene Anmerkungen hast, freue ich mich, davon zu erfahren. Und wenn du einfach nur still mitliest, ist das genauso in Ordnung.
Wenn du den Weg von Gletschereis weiter begleiten möchtest, kannst du mir auch an anderen Orten folgen. Im Newsletter teile ich neue Texte, Gedanken und Einblicke in den Schreibprozess. Auf Instagram und Facebook begegnen dir Bilder, Momentaufnahmen von unterwegs und kleine Ausschnitte aus dem Projekt. Such dir einfach den Ort aus, der zu dir passt. Ich freue mich, wenn sich unsere Wege dort wieder kreuzen.
Gletschereis ist noch unterwegs.
Und ich bleibe es auch.